EVOLUCARE stellt den Patienten ins Zentrum seiner Überlegungen

07.13.2020
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Der französische Softwarehersteller für das Gesundheitswesen wächst kontinuierlich und bezieht die künstliche Intelligenz in seine R&D-Bemühungen ein, um neue Märkte für e-Gesundheit zu erschließen. Gespräch mit Philippe Blanco, Geschäftsführer des Unternehmens.

Der Technologie wird oft vorgeworfen, dem Menschen den Rang abzulaufen. Wie wird die Frage des Patienten bei Evolucare behandelt?

Der Patient – und der Bürger an sich – wird in den Mittelpunkt unserer Überlegungen gestellt. Wie sollte es auch anders sein, da unsere Lösungen, die für den Gesundheits- und medizinisch-sozialen Bereich bestimmt sind, den gesamten Behandlungsweg des Patienten und nicht nur seinen Krankenhausaufenthalt abdecken. Das bedeutet, dass Evolucare ebenfalls Vereine und Verbände im Bereich Behinderung sowie Altersheime adressiert. Unsere Softwareplattformen bieten ein vollständiges Bild auf den Behandlungspfad im Gesundheits- und medizinisch-sozialen Bereich der betroffenen Person. Wir erzielen heute einen Umsatz von 30 Millionen Euro und beschäftigen rund 300 Mitarbeiter im Gegensatz zu einem Umsatz von 7 Millionen Euro und einer Belegschaft von 50 Personen vor 10 Jahren. Unser Ziel für 2021 liegt bei 45 Millionen Euro.

Wie erklären Sie sich diesen Fortschritt?

Unser Markt wird von regulatorischen Reformen angetrieben: Gründung regionaler Krankenhausgruppen, Verpflichtung zur Einhaltung des DMP (elektronische Patientenakte) usw. Andererseits haben sich die Erwartungen jedes Einzelnen von uns an die medizinische Gemeinschaft in den letzten fünfzehn Jahren grundlegend gewandelt. Dies gilt beispielsweise für die Erleichterung des Austauschs mit Gesundheitsorganisationen (wie Krankenhäusern), für die Sicherheit, betrifft aber auch die Übermittlung von Informationen: Terminvereinbarung im Internet, Zugang zur elektronischen Patientenakte (Dossier médical partagé) über das Mobilgerät, Zugang zu den Ergebnissen der Labortests oder bildgebenden Verfahren usw. Die Übermittlung von Gesundheitsinformationen erfordert die nahezu permanente Entwicklung innovativer Systeme. Deshalb sind Forschung und Entwicklung so wichtig.

Welche Rolle wird die künstliche Intelligenz für die Erarbeitung neuer Lösungen spielen?

Evolucare ist ein Unternehmen, das von der technologischen Innovation angetrieben wird. Unsere Mitarbeiter entwickeln Softwareprogramme, die von der Verwaltung der Einrichtungen bis zu den eigentlichen medizinischen Anwendungen reichen. Wir haben auch das „Evolucare Labs“ gegründet. Diese Einrichtung arbeitet in der Welt der wissenschaftlichen Forschung, um neue Arten der Patientenbehandlung vor allem im Bereich der Früherkennung und der Diagnose zu entwickeln. So entwickeln wir mit dem Krankenanstaltenverbund APHP und dem Französischen Forschungszentrum für medizinische Forschung und Gesundheit Inserm eine Lösung, die sehr leistungsstark und kostengünstig ist und auf den Namen „OphtAI“ getauft wurde. Sie basiert auf einem Algorithmus der künstlichen Intelligenz, der in der Cloud gespeichert ist. Auf der Basis eines Netzhautbildes macht es die Lösung möglich, augenblicklich die drei häufigsten Erkrankungen des Auges zu erkennen: diabetische Retinopathie, Glaukom und AMD. Diese Art der Lösung, die zu einer Demokratisierung des Fachwissens in der Augenheilkunde führt, ist für die Einbettung in einen telemedizinischen Betreuungspfad zur Prävention, Früherkennung und Diagnose von Augenerkrankungen bestimmt. OphtAI wird derzeit in verschiedenen Ländern (Frankreich, Deutschland, Kanada, Chile, Mexiko, Libanon, Türkei…) mit zahlreichen Perspektiven für die Entwicklung und den Einsatz entsprechend der jeweiligen Vorschriften installiert. Das Ziel ist klar gesteckt: Zur weltweiten Referenz für die künstliche Intelligenz im Dienste der Augenheilkunde aufsteigen.

Veranschaulicht dies Ihre Ziele auf internationaler Ebene?

Evolucare ist auf den Märkten in Afrika, in den Maghrebländern und im Nahen Osten, vor allem in französischsprachigen Ländern, sehr aktiv. Wir besitzen ebenfalls Filialen in China und in Kanada und können in Lateinamerika eine starke Tätigkeit vorweisen. Unser aktuelles Ziel betrifft den Ausbau unserer Tätigkeit in Europa. Deutschland und Nordeuropa sind die Märkte, die wir kurzfristig anvisieren.

 

Juli 2020 – Libération